Snack World: Die Schatzjagd – Gold Review

Entwickler:         LEVEL-5
Publisher:          LEVEL-5
Genre:              Rollenspiel, Dungeoncrawler
Plattformen:        Nintendo Switch
Preis:              ca. 49,99 Euro
Offizielle Website: https://www.snackworld-official.com/de/

Ein gelegentlicher Blick über den Tellerrand ermöglicht einen Blick auf Dinge, die andernfalls verborgen geblieben wären. Als ich vor einigen Wochen Snack World: Die Schatzjagd – Gold aus dem Briefkasten gefischt habe, wusste ich quasi nichts über das Spiel, da es völlig unter meinem Radar geflogen ist. Dem Titel eine Chance zu geben hat sich gelohnt.

Worum geht es in dem Spiel für die Nintendo Switch? Euer Abenteuer beginnt vor den Toren Croquettas, wo man euch aufliest. Erinnerungen? Fehlanzeige. Fehlende Erinnerungen halten euch allerdings nicht von reichlich Abenteuern ab und so erkundet ihr in dem Roguelike-RPG jede Menge zufallsgenerierte Dungeons. In denen wartet Beute auf euch – bewacht von Horden fieser Kreaturen und gefährlichen Bossen.

Verpackt ist all dies in niedliche Optik. Die Charaktere erinnern an Chibis, der Look ist fröhlich und farbenfroh. Vermuten ließe sich dahinter also ein Kinderspiel. Der Eindruck täuscht. Die Kämpfe sind schon in den ersten Spielstunden teilweise knackig und die Dialoge dürften vor allem jene begeistern, die schon ein bisschen Zeit mit Videospielen verbracht haben. Jüngere Kinder werden mit den Dialogen vermutlich wenig Freude haben und viele Dinge auch nicht einordnen können. Der erwähnte Schwierigkeitsgrad flacht nach einer Weile ab, zieht im späteren Spielverlauf jedoch noch einmal spürbar an. Entgegnen lässt sich dem mit Grind – auf Kosten des Spielflusses. Verglichen mit anderen Genrevertretern ist der Schwierigkeitsgrad insgesamt moderat, was das Spiel jedoch nicht kindgerechter macht.

Der Charme des Spiels liegt im Humor. Snack World: Die Schatzjagd – Gold nimmt immer wieder Spiele auf die Schippe. Die Idee ist freilich nicht neu. Ittle Dew zum Beispiel ist eine humorvolle Anlehnung an Zelda, während ein DLC von Goat Simulator MMOs tierisch durch den Kakao zieht. Spaß hat der humorvolle Trip dennoch gemacht.

Bevor ihr zu einer Quest aufbrecht, bereitet ihr euch in der Stadt vor. Dafür stehen euch diverse Läden und Herstellungsmöglichkeiten zur Verfügung. Damit ihr im Kampf nicht auf einen stylishen Look verzichten müsst, unterscheidet das Spiel zwischen tatsächlicher Rüstung und rein dekorativer Rüstung.

Ein zentrales Element eurer Ausrüstung sind die sogenannten Jara. Dahinter verbirgt sich Ausrüstung wie Waffen, Schilde, Tränke und Parfum. Im Verlauf eures Abenteuers findet ihr ganze Berge von Jaras. Beim Einsatz kommt es auf die geschickte Wahl farblich passender Jara an, da diese Farbattribute besitzen. Gleichzeitig ist euren Feinden jeweils eine Farbe zugeordnet. Greift ihr hier daneben, geht dies zulasten eures Schadens. So niedlich das Spiel auch aussieht, es ist etwas Taktik gefragt, um die Beutezüge erfolgreich abschließen zu können. Der erste Boss zum Beispiel ist Medusa. Mit ihrem Blick kann sie euch versteinern. Dieser Zustand hält einige  Sekunden an. Zeit, in denen euch Medusa mit Angriffen empfindlichen Schaden zufügt. Zwar könnt ihr wiederbelebt  werden und  habt einige Heiltränke, doch euer Begleiter-NPC steht ebenfalls unter Feuer. Wenn der nur noch Krankenschwester spielen darf und  euch hoch hilft, kommt es zur Niederlage.

Beute findet ihr oft in Form von Materialien. Die könnt ihr in der Stadt zur Herstellung von Items wie Kleidung und Jaras verwenden. Crafting ist eines der zentralen Spielelemente. Praktischerweise könnt ihr einen Gegenstand anfangen, auch wenn euch noch Material fehlt. Euer Fortschritt wird in Prozenten angegeben. Gegenstände mehrfach herzustellen lohnt sich, da ihr diese kombinieren könnt. Dadurch werden sie mächtiger. Ihr werdet stetig an eurer Ausrüstung feilen, um noch ein paar bessere Werte herauszukitzeln.

Woher aber überhaupt Snack World? An eurer Seite könnt ihr sogenannte Snackies kämpfen lassen. Solche Snackies gibt es manchmal als Belohnung oder nach dem Besiegen eines Monsters. Es gibt zahlreiche Snacks, die euch im Kampf zur Seite stehen können. Hat ein bisschen was von Pokémon. Sogar in einer Enzyklopädie werden eure Snackies erfasst. Gotta Catch ‚Em All …

Bisher wird das Genre Dungeoncrawler auf der Switch von Entwicklern sträflich vernachlässigt. Vor allem japanische Kultreihen wie Etrian Odyseey sucht man bis heute leider vergebens. Sehr zu meinem Leidwesen. Die Nintendo Switch wird von mir oft wie ein Handheld genutzt und das Genre ist wie für einen solchen geschaffen. Snack World vermag diese Lücke nicht zu schließen, aber es ist ein solider Genrevertreter, mit dem man als Fan und Neuling viele Stunden Freude haben kann. Für Neulinge ist das Spiel sogar deutlich zugänglicher, als viele verwandte Spiele. Dungeoncrawler – vor allem japanische – haben die Angewohnheit sperrig und nicht gerade zugänglich zu sein. Obendrein sind sie oft nicht lokalisiert, was die Sache für viele Spieler zusätzlich verkompliziert. Snack World ist nicht nur zugänglicher, es ist auch vollständig übersetzt, inklusive deutscher Vertonung. Was gesprochen wird unterscheidet sich dabei von den Dialogen. Nur einzelne prägnante und oft zackige Sprüche kommen den Charakteren über die Lippen. Dies trägt zur humorvollen Inszenierung bei. Ein weiterer Pluspunkt ist der Koop, dank dem ihr euch bis zu drei Freunde an die Seite holen könnt. Koop und Story sind voneinander getrennt. Durch Letztere müsst ihr euch allein spielen. Für den Koop gibt es separate Missionen.

Snack World: Die Schatzjagd – Gold hat mir trotz nicht ganz so ausgefallener Komplexität Freude gemacht. Für mich ist es ein Feel Good-Spiel. Nicht zu schwer, nicht zu leicht, fröhlich inszeniert, lustig und auch für kurze Spielsessions gut geeignet. Daher möchte ich es in meiner Spielesammlung auch nicht mehr missen.

Mein Fazit:

Snack World: Die Schatzjagd – Gold ist ein unterhaltsamer Dungeoncrawler, der mit seinem Charme verzaubert. Rein optisch kann der Eindruck entstehen, es handelt sich um ein Kinderspiel. Dieser Eindruck täuscht. Schon in den ersten Spielstunden gibt es einige knackige Kämpfe. Die Bossgegner verzeihen wenig Fehler und der Erfolg hängt maßgeblich davon ab, ob ihr die nötigen Mechaniken umsetzt und gut vorbereitet auf Abenteuer geht. Auch den Inhalt der Dialoge dürften jüngere Kinder teilweise nur schwer einordnen können. Das Spiel nimmt immer wieder Games auf die Schippe und sich selbst nicht so ernst. Wer bisher nicht viel mit Games am Hut hatte, wird damit natürlich nicht viel anfangen können. Neben Games werden allerdings auch zahlreiche andere Klischees überspitzt bedient. Zum Beispiel die verwöhnte Prinzessin, die Papa wie eine Marionette zu benutzen weiß.

Vom Schwierigkeitsgrad her ist das Spiel verglichen mit anderen Genrevertretern moderat. Auch die Komplexität halt sich in Grenzen. Völlig außen vor bleiben strategische Elemente dennoch nicht. Für Genreneulinge ist Snack World: Die Schatzjagd – Gold daher ein guter Einstieg. Genrefans werden zwar relativ leichtes Spiel haben, ein Spaziergang wird es aber nicht.

Bisher gibt es leider noch eine relativ überschaubare Zahl an Dungeoncrawlern auf der Nintendo Switch. Snack World verkleinert diese Lücke etwas – und weckt die Sehnsucht nach Titeln wie Etrian Odyssey und Persona Q. Verstecken muss sich Snack World hinter diesen Reihen nicht. Es reicht zwar nicht an die Vorzeigecrawler der  3DS-Ära heran, macht aber vieles richtig.

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Bildquelle: Nintendo, LEVEL-5

Offenlegung: Nintendo hat das Spiel kostenlos zur Verfügung gestellt.

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