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Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung Review

Lange waren Musou-Spiele bei uns nur Nischentitel, die viele Spieler bestenfalls durch die Berichterstattung darüber kannten. Kommentarspalten darunter füllten sich nicht selten mit spöttischen Kommentaren. Kopflose Kämpfe gegen Klon-Armeen dümmlicher KI-Soldaten … so in etwa dürfte sich so mancher diese Spiele vorgestellt haben. Tatsächlich ist diese Vorstellung gar nicht so verkehrt. Auch moderne Ableger punkten nicht mit überragender KI und ein Großteil der Gegner könnte tatsächlich einer Klonfabrik entstammen. Raffinierte strategische Genies mögen die Armeen in diesen Spielen nicht sein und doch kann es reichlich Freude bereiten, gegen sie zu kämpfen.

Meine erste Berührung mit dem Spielprinzip hatte ich 2006 mit dem Hack and Slash Ninety-Nine Nights. Nach Feierabend durch die Massen der Gegner zu wirbeln und diese mit cool inszenierten Spezialangriffen vom Schlachtfeld zu fegen, hatte etwas. Die KI und die kaum unterschiedlichen Gegner wurden dabei zur Nebensache. Es fühlte sich einfach gut an, gegen ganze Armeen zu kämpfen und optisch beeindruckende Kombos auf den Bildschirm zu zaubern.

Es sollte jedoch noch viele Jahre dauern, bis derlei Spiele auch bei uns auf größeres Interesse stießen. Einen erheblichen Anteil daran hatte Hyrule Warriors. Das Spiel wurde ein Systemseller für die Wii U. Zwei Jahre nach der Veröffentlichung folgte eine Portierung für den 3DS, die ich Hunderte Stunden gespielt habe. Weitere zwei Jahre später folgte mit Hyrule Warriors Legends eine erweiterte Version für die Nintendo Switch.

Das Spiel Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung konnte jüngst an den Erfolg anknüpfen und ist mit inzwischen mehr als 3,5 Millionen verkauften Einheiten ein echter Verkaufsschlager und das bisher erfolgreichste Musou-Spiel. So mancher Spieler hat dank der Hyrule Warriors-Spiele für sich entdeckt, wie unterhaltsam das Spielprinzip sein kann.

Zelda und Musou passen wunderbar zusammen. Im Laufe der Jahre hat Nintendo unzählige Ableger von Zelda veröffentlicht und dabei immer wieder neue Wege eingeschlagen. 2D, 3D, Zeitreisen, Open World, Koop … Zelda ist wunderbar vielseitig und trampelt nicht einfallslos auf der Stelle. Veränderungen dieser Art gefallen natürlich nicht allen Fans, für mich bedeutet Zelda aber auch, offen für neue Spielerlebnisse zu sein.

Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung erzählt die Vorgeschichte zu Breath of the Wild und das Spin-Off zeigt sich dabei so wandelbar wie die Franchise Zelda. Hatte der erste Hyrule Warriors-Ableger noch eine eigene Geschichte, in der die verschiedenen Timelines von Zelda geschickt aufgegriffen wurden, seht Zeit der Verheerung im direkten Zusammenhang mit Breath of the Wild.

Dafür schickt euch das Spiel in die Vergangenheit. Ein Schatten breitet sich über Hyrule aus und bedroht das Reich. König Rhoam ist besorgt um das Königreich. Kann die Verheerung Ganon aufgehalten werden? Der Ritter Link bricht auf, um das Unheil aufzuhalten. Unterstützung erhält er dabei von seinen Gefährten. Prinzessin Zelda und die Shiekah-Kriegerin Impa stehen dem Helden zur Seite. Zudem schließen sich euch die vier Recken Revali, Daruk, Urbosa und Mipha an. Im weiteren Spielverlauf wächst die Anzahl eurer Verbündete und auch die der Charaktere, die ihr selbst spielen könnt. Dabei schließen sich euch auch einige ungewöhnliche Figuren wie der Krog Maronus und die Großen Feen an. Die 18 spielbaren Charaktere haben alle ihre eigenen Fähigkeiten und sorgen so für Abwechslung.

Der Kern des Spielprinzips ist geblieben. Ihr zieht in die Schlacht gegen ganze Armeen von Gegnern, müsst feindliche Stellungen erobern, Befehlshaber ausschalten, eigene Stellungen halten, Verbündete schützen und auf dem Schlachtfeld weiter vorrücken. Dabei setzt ihr im Kampf Kombos ein und könnt mit mächtigen Spezialangriffen die Übermacht der Gegner bekämpfen. Da ihr für deren Einsatz erst eine Reihe anderer Gegner bezwingen müsst, entsteht so Raum für taktische Überlegungen.

Im Detail hat sich einiges getan. So erweitern zum Beispiel die aus Breath of the Wild bekannten Shiekah-Module das Repertoire eurer Möglichkeiten im Kampf. Die Hyrule-Karte bietet einen Überblick über die aktuelle Situation und zeigt, wo Kämpfe auf euch warten, Charaktere gestärkt werden können und Boni warten. Mit der Zeit entsteht eine Infrastruktur, die euch Läden, eine Schmiede und Co. bietet. Waffen und Charaktere zu verbessern, motiviert über viele Spielstunden.

Die Hyrule-Karte ermöglicht euch schon früh im Spiel eine Wahl innerhalb bestimmter Grenzen zu treffen. So könnt ihr etwa den Ausbau der Infrastruktur anstreben, den Fokus auf die Stärkung eurer Lieblingscharaktere legen, auf die Jagd nach Rohstoffen gehen oder die Story vorantreiben. Das Spiel ist in Kapitel unterteilt, innerhalb denen ihr einiges an Freiheiten genießt, was die Setzung eurer Prioritäten betrifft. Natürlich kommt es dabei vor, dass ihr zunächst in einer Mission genug Material sammeln müsst, um dieses an anderer Stelle zu verwenden. Linear aber ist das Spiel nicht. Auch bei den Story-Missionen könnt ihr zum Teil selbst entscheiden, in welcher Reihenfolge ihr diese erledigen möchtet.

Tatsächlich war ich zu Spielbeginn ziemlich überrascht, wie viel sich im Detail geändert hat. Trotz zahlreicher Stunden mit dem Vorgänger hat es seine Zeit gebraucht, in das Spiel zu finden, was einige Mechaniken betrifft. Während es sich einerseits vertraut anfühlte, da die Schlachten gewohntes Musou-Feeling bieten, haben die Entwickler das Drumherum angepasst. Was keinesfalls schlecht ist. Wie bereits erwähnt, zeigt sich Hyrule Warriors wandelbar.

Ein echter Gewinn ist der Koop-Modus. Während Couch-Koop in Zeiten des Internets zunehmend die Bedeutung zu verlieren scheint, trumpft die Nintendo Switch in diesem Bereich auf. Dank der JoyCon braucht es dafür meist nicht mal zwingend einen zusätzlichen Controller. Auch Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung kann im Couch-Koop gespielt werden, was sich als überraschend spaßig erwiesen hat. Obwohl auf dem Schlachtfeld einiges los ist, war die Übersicht auf dem Fernseher dabei kein Problem. Seite an Seite könnt ihr so dafür kämpfen, die Verheerung Ganon aufzuhalten. Nicht ganz so makellos ist die Performance, die im Couch-Koop manchmal leidet.

Musou-Spiele genießen nicht unbedingt der beste Ruf. Billig aufgemacht und platt? Keinesfalls. In Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung ist drin, was drauf steht. Ihr bekommt eine handfeste Vorgeschichte zu Breath of the Wild, inklusive vertonter Zwischensequenzen und mit einem interessanten Blick auf vertraute Charaktere, die dadurch an Tiefe gewinnen. Auch für Spekulationen bezüglich dem angekündigten Breath of the Wild Nachfolger bleibt jede Menge Raum. Längst kursieren im Netz zahlreiche Fan-Theorien, was sich aus Zeit der Verheerung und Breath of the Wild für den kommenden Ableger ergeben könnte. Zeit der Verheerung ist ein Fest für Fans des Open World Spiels und nicht nur ein Lückenfüller. Vergleichsweise schwach sind die Nebenmissionen, aber darüber lässt sich hinwegsehen. Der Kampf gegen die Horden der Gegner hat etwas Entspannendes und bietet eine gute Möglichkeit, nach langen Tagen abzuschalten. Zwar setzt das Kampfsystem auf Kombos, die sind aber weder kompliziert, noch muss die Beherrschung perfektioniert werden.

Mein Fazit:

Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung hat mich gleich in zweifacher Hinsicht überzeugt. Es ist ein packendes und spaßiges Musou-Spiel und es ist ein hervorragendes Abenteuer mit Link. Die Vorgeschichte zu Breath of the Wild ist nicht nur toll inszeniert, sie ermöglicht auch jede Menge Raum für Theorien bezüglich des Nachfolgers. Unterhaltsame Massenschlachten gepaart mit einer spannenden Story, die die Vorfreude auf den nächsten Zelda-Ableger auf neue Höhen treibt. Mehr hätte ich mir nicht wünschen können.

Wie auch Hyrule Warriors ist Zeit der Verheerung ein fesselndes Spiel, in dem locker Hunderte Spielstunden gelassen werden können. Waffen verbessern, Charaktere stärken, bessere Ausrüstung sammeln, neue Gefährten freischalten oder einfach im Koop zusammen Spaß haben – es gibt viel zu tun. Kleine Schwächen wie die manchmal nicht optimale Performance im Koop und die flachen Nebenmissionen sind zu verkraften. Ein würdiger Nachfolger.

Bildquelle: Nintendo

Offenlegung: Das Spiel wurde von Nintendo freundlicherweise kostenlos zur Verfügung gestellt. 

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