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Lost Words: Beyond the Page Review

Entwickler:         Sketchbook Games
Publisher:          Modus Games
Genre:              2D Plattformer 
Plattformen:        Nintendo Switch, PC (Epic, GOG, Steam), Xbox One, PlayStation 4, Stadia
Preis:              ca. 14,99 Euro 
Offizielle Website: https://lostwordsgame.com/

Das Spiel Lost Words: Beyond the Page erzählt eine bittersüße Geschichte von einem kleinen Mädchen mit großem Traum. Die junge Izzy bekommt von ihrer Großmutter ein Tagebuch geschenkt und beginnt zu schreiben. Eines Tages möchte sie Schriftstellerin werden. Sie beginnt eine Geschichte, damit sie diese ihrer Oma vorlesen kann. Die Geschichte eines jungen Mädchens, das ihre Heimat Estoria retten möchte. Nachdem ihr Heimatdorf zerstört wurde, bricht sie auf, um die Glühwürmchen zu finden, die in ganz Estoria verstreut sind.

Lost Words: Beyond the Page lässt euch abwechselnd die Geschichte der jungen Schreiberin und ihrer Heldin erleben. Beide sind eng miteinander verbunden, denn Izzy wird bei ihrem Text von den Erlebnissen in ihrem Leben inspiriert. In der Rolle von Izzy bewegt ihr euch durch die Seiten ihres Tagebuchs und füllt diese mit schönen und traurigen Erinnerungen. Das Leben des Mädchens wird auf den Kopf gestellt, als die geliebte Großmutter einen Schlaganfall erleidet und in dessen Folge im Krankenhaus landet. Mit diesem einschneidenden Erlebnis wird auch die Geschichte der Heldin in ihrer Erzählung düsterer und hoffnungsloser.

Die Geschichte des Spiels ist eindrucksvoll und berührend. Die Autorin Rhianna Pratchet hat eine schöne und zugleich traurige Geschichte erschaffen und schwierige Themen mit viel Fingerspitzengefühl zu Papier gebracht. All dies ist in ein malerisches und hübsch gestaltes Abenteuer verpackt. Seit Gris hat mich kein Spiel emotional so sehr berührt und zum Weinen gebracht.

Dies liegt an der ausgesprochen gefühlvollen und glaubhaften Erzählung des Spiels, die die Gefühlswelt der Protagonistin überzeugend thematisiert. Wer ähnliche Erfahrungen gesammelt hat, kann sich leicht in die kleine Izzy hineinversetzen, die von Hilflosigkeit, Trauer und Unsicherheit überrollt wird. Ich selbst habe als Kind erlebt, wie mein Papa eines Tages mit einem für mich damals bedrohlich wirkendem Umschlag nach Hause kam. Der Umschlag strahlte nichts Gutes aus und machte mir Angst. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: In dem Umschlag waren Bilder von einem Arztbesuch, Bildgebung … eine Krebsdiagnose. Gut ein Jahr war Papa weg, für Therapie und Rhea. Er wurde geheilt, aber nie wieder wirklich gesund. Seit einem Schlaganfall ist er komplett zum Pflegefall geworden.

Lost Words: Beyond the Page gelingt es, mit viel Gefühl eine Geschichte über Liebe, Großmütter und Traurigkeit zu erzählen und trifft dabei die richtigen Töne. Erfreulicherweise ist der Schwierigkeitsgrad sehr gering, wodurch sich der Spieler gänzlich auf die Geschichte konzentrieren kann, ohne Gefahr zu laufen, an den Mechaniken zu scheitern. Hier und dort müssen ein paar einfache Sprungpassagen gemeistert werden und in der geschriebenen Geschichte spielt ihr mit Worten. So könnt ihr zum Beispiel euer Buch öffnen und „Reparieren“ auswählen, um zerstörte Objekte wieder instand zu setzen oder mit „Brechen“ Objekte zerstören und so Hindernisse überwinden. Wenn die Worte aus dem magischen Buch der Heldin eingesetzt werden müssen, ist dies leicht ersichtlich. Solltet ihr doch einmal bei einem Sprung das Ziel verfehlen, in der Lava landen oder Ähnliches, ist der letzte Checkpoint nie weit zurück. Der Spielfluss wird also nicht nennenswert unterbrochen.

Das Gameplay ist schlicht, aber gelungen und harmoniert mit der Story. Durch den Wechsel zwischen Tagebuch und Geschichte bietet es eine gewisse Abwechslung. Auch erlangt ihr durch den gelegentlichen Erhalt neuer Worte neue Möglichkeiten, weshalb keine Langeweile aufkommt. Auch die Inszenierung wechselt im Verlauf eures Abenteuers passend zu den Erlebnissen von Izzy. Ihre Gefühle werden dadurch nachvollziehbar. So verliert sich etwa die Protagonistin ihrer Erzählung in ihren hoffnungslosesten Stunden in einer farblosen und kargen Welt.

Das Spiel ist liebevoll in Szene gesetzt ist und mit einem ruhigen, nicht zu aufdringlichen Soundtrack untermalt, der angenehm zu hören ist. Eine weitestgehend runde Spielerfahrung. Einziger Wermutstropfen: Die Einstellung bezüglich Vollbild und Auflösung behält das Spiel leider nicht bei. Nach dem Spielstart und auch bei jedem Wechsel zwischen Tagebuchabschnitten und Erzählung musste ich diese erneut anpassen. Mit wenigen Klicks ist dies zwar erledigt, aber es trübt ein wenig das Spielerlebnis. Dieses Problem sollte via Patch leicht zu beheben sein, was die Entwickler hoffentlich zeitnah tun.

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Mein Fazit:

Lost Words: Beyond the Page ist ein bittersüßes Spiel und hat mich emotional so sehr berührt, wie es seit Gris kein Spiel mehr vermochte. Ihr erlebt eine gefühlvoll erzählte Geschichte voller schöner und trauriger Momente. Das Spiel hat rund acht Stunden Spielzeit. Im Fokus steht die Erzählung. Der 2D-Plattformer ist vom Schwierigkeitsgrad her sehr einfach, weshalb ihr euch ganz auf das Erlebnis konzentrieren könnt, welches die Erzählung bietet und nicht Gefahr lauft, rausgerissen zu werden, weil ihr irgendwo hängenbleibt. Lost Words: Beyond the Page überzeugt mit Ideen, Inszenierung und Emotionen. Es ist eine der bisher größten und schönsten Überraschungen des Jahres und hat mich so sehr gefesselt, dass ich es in zwei Sitzungen durchgespielt habe. Selbst der Abspann knüpft an das Gameplay an und ist mit Liebe in Szene gesetzt.

Bildquelle: eigene Screenshots aus dem Spiel Lost Words: Beyond the Page

Offenlegung: Das Spiel wurde freundlicherweise kostenlos zur Verfügung gestellt.

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