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Age of Empires IV Vorschau

Am 28. Oktober 2021 ist es endlich so weit und der vierte Teil von Microsofts Strategiespielreihe wird veröffentlicht. Age of Empires sitzt für mich seit meiner Kindheit auf dem Strategiespiel-Thron. Daran konnte auch das eher mäßig beliebte Age of Empires III nichts ändern. Seitdem es die Definitive Edition von Teil 2 gibt, habe ich wieder zahllose Abende mit Freunden in mittelalterlichen Schlachten verbracht. Es dürfte also niemanden verwundern, dass ich sehnlichst auf Teil 4 warte und das nun seit … viel zu langer Zeit.

Ein Blick in die Zukunft von Age of Empires

In dem vergangenen Technical Stress Test habe ich das erste Mal die Gelegenheit ergriffen und mich in die Schlacht gestürzt. Dabei waren die Erwartungen vorab alles andere als gering. Ich meine, es ist Age of Empires, nicht wahr? Zuletzt hatte mich die Optik des Spiels enttäuscht. Dafür die historischen Aspekte, welche die Entwickler veröffentlicht haben, umso mehr begeistert. Man könnte sagen, ich hatte bis dato ein ambivalentes Verhalten zu dem Spiel. Wird es gut? Wie gut? Kann es mich wie AoE II fesseln? Fühlt es sich wie AoE an oder wird das Spiel ein krampfhafter Versuch, das Rad neu zu erfinden? AoE III hatte mit dem Ansatz nur mäßigen Erfolg.

Seit diesem Wochenende steht der Release für Age of Empires IV in meinem Kalender. Zuerst einmal hat das Spiel meine größten Bedenken aus der Welt geräumt: Es spielt sich wie ich es von Age of Empires erwarte. Das erreicht es zum einem durch das Tempo. Dieses fühlt sich ziemlich genau so an, wie bei Age of Empires II. Nagut, einen ticken schneller ist der neue Ableger aber nicht zu viel! Die spürbarste Neuerung dürfte hier der Verzicht auf die Dunkle Zeit sein. Damit geht es deutlich früher ins Kampfgeschehen. Das Spiel wird damit für Anfänger zugänglicher, denn die 5-10 Minuten des ersten Zeitalters, die nur aus richtigen Klickabfolgen bestanden, fallen weg. Auf der anderen Seite steht das bewährte Feeling der Einheiten. Alles verhält sich so, wie man es erwarten würde, nur halt in 3D. Besonders gut gefällt mir die stärkere Differenzierung der Einheiten. Während des Stresstests hatte ich das Gefühl, dass große, homogene Gruppenverbände wesentlich abgeschwächt sind im Vergleich zum zweiten Teil. Kleinere gemischte Verbände wirken hingegen deutlich effektiver.

Age of Empires IV – Weiterentwicklung auf hohem Niveau

Das mag an den unterschiedlichen Fähigkeiten und den vielzähligen kleinen Neuerungen im Spiel liegen. Zum einem haben viele Einheiten besondere Eigenschaften. Langbogenschützen können zum Schutz beispielsweise Palisaden aufbauen. Reiter trampeln Feinde förmlich nieder, doch obgleich diese Maßnahmen alle stark wirken, gibt es immer mindestens eine genauso starke Gegenmaßnahme. Gegen die Bogenschützen schicke ich schwer gepanzerte Infanterie oder Belagerungswaffen, gegen die Reiter helfen die guten alten Pikeniere. Die Schlachten fallen dabei etwas schneller aus als noch bei den Vorgängern. Außerdem ist die Differenz der Ressourcen, die es für „starke“ Einheiten braucht, größer als noch bei Age of Empires II. Dadurch wirkt der gesamte Spielverlauf dynamischer, erfordert jedoch auch mehr Feingefühl.

Ein weiterer Einflussfaktor ist die größere Differenzierung zwischen den Zivilisationen. Jede Zivilisation hat deutliche Stärken, die völlig unterschiedliche Spielweisen erlauben. Während dies in der Vergangenheit eher nur ein Bonus war, sind diese Vorteile im neuen Teil wesentlich stärker ausgeprägt. Da ist es auch keine Schande, dass die Anzahl der Zivilisationen deutlich geschrumpft ist. Zugleich bergen spätere Erweiterungen dadurch das Potenzial, mit neuen Zivilisationen völlig neue Spielstile zu implementieren. Die letzten Erweiterungen von Age of Empires II haben diesen Schritt bereits angedeutet, in Age of Empires IV fällt er jedoch umso deutlicher aus. Abgerundet wird dieses Bild durch deutlich mehr Spezialeinheiten.

Technischer Fortschritt mit Baustellen

Etwas, dass mich völlig unerwartet vom Hocker gehauen hat, ist das Sounddesign des Spiels. Ich habe noch kein Strategiespiel erlaubt, welches so eine starke Tonkulisse aufbaut. Schwächeln hingegen tut die Optik. Wobei man die als zweckmäßig bezeichnen kann. Die Reduzierung an Details im Vergleich zu Teil 3 lässt das Spiel sauberer erscheinen und tatsächlich spielt es sich selbst über längere Zeit sehr angenehm. Trotz der noch unberechenbaren Performanceeinbrüche. Die größten technischen Schwächen verbergen sich tatsächlich im User Interface und der KI – und diese Schwächen können entscheidend für den Erfolg des finalen Spiels sein.

Im User Interface sind Steuerung und Aufbau der Karte einfach nicht mehr zeitgemäß. Darüber hinaus sind die Ressourcen außerhalb des Blicks des Spielers unten links versteckt. Das Baumenü bekommt, obwohl auf zeitgemäße Symbole reduziert, viel zu viel Aufmerksamkeit in der Mitte des Bildschirms. Die Auswahl einzelner Einheiten aus einer Selektion an Truppen ist ebenso wenig möglich wie das Nachvollziehen der Befehlsketten. Erteilt ihr einer Einheit per Shift mehrere Befehle, könnt ihr nur raten, welche das waren. Darin verbergen sich viele kleine Probleme, die teilweise jedoch große Auswirkungen auf das Spielgefühl haben. Dazu gehören auch die fehlenden Hotkeys und weitere Faktoren, welche die Übersicht und Kontrolle über den Spielfluss negativ beeinflussen.

Ebenso wenig nachvollziehbar ist in Teilen das Verhalten der KI. Diese wirkt bei den Truppen nicht mehr zeitgemäß und wie eine Zeitreise zurück ins Jahr 1998. Und damit ist nicht Retro im positiven Sinne gemeint. Die Dorfbewohner scheinen hingegen noch eine Nummer dümmer geworden zu sein. Tun sie sich doch beispielsweise mit der Zuordnung zu Feldern schwerer als bei der Definitive Edition von Teil 2. Hier ist eher ein Rückschritt zu verspüren, und zwar ein deutlicher. Viele dieser Probleme wurden in den letzten zwei Jahren aus der Definitive Edition von Age of Empires II rausgepatcht und sind nun bei einem Teil 4 auf einmal wieder da? Hier muss zum Release hin noch einiges geschehen.

Fazit:

Trotz der technischen Probleme des Stresstests ist noch etwas Zeit bis zum Release. Am 28. Oktober werden wir dann sehen, ob das komplette Spielerlebnis es ins Jahr 2021 schafft oder die Entwickler ein wenig zu nah an Age of Empires II bleiben wollen. Ihr merkt schon, ich vergleiche hier viel mit einem mehr als 20 Jahre alten Titel. Doch die Aktivität der Community rund um den Titel sollte schon lange belegt haben, wie viele damals richtig gemacht wurde. Umso größer sind die Fußstapfen, die der vierte Teil auszufüllen hat. Bisher deutet alles darauf hin, dass die konsequenten und sinnvollen Veränderungen an der Formel den Spagat zwischen zeitgemäßem, aber doch klassischem Age of Empires-Erlebnis schaffen können.

Bildquelle: Microsoft

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