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My Time at Sandrock Preview

Vom DLC-Plan zum Nachfolger

In den letzten Jahren gab es einen regelrechten Boom um Spiele, die an die beliebte Harvest Moon-Reihe erinnern. Spätestens seit dem Erfolg von Stardew Valley sprießen derlei Games aus dem Boden, wie der Weizen in diesen Spielen. Manche dieser Simulationen sind gut, einige gar mindestens auf dem Niveau der Originale – wenn nicht besser – andere kaum der Rede wert. Zu den beliebtesten und erfolgreichsten Spielen dieser Art gehört My Time at Portia. Für mich persönlich auch Jahre nach der Veröffentlichung noch immer eines der Genrehighlights.

My Time at Portia hatte einige frische Ideen an Bord und bietet für ein solches Spiel auch vergleichsweise viel Tiefgang. Natürlich darf bei Produkten dieser Art keine herausragende Story wie in einem The Last of Us, To the Moon oder NieR: Automata erwartet werden. Diese Spiele sind nicht dafür da, eine fesselnde, komplexe oder bewegende Geschichte zu erzählen. Es sind Feel Good-Spiele, die Dank einer gewissen Oberflächlichkeit eine entschleunigte und entspannte Spielerfahrung bieten. Ein weitestgehend routinierter Tagesablauf, die Pflege virtueller Freundschaften und vielleicht auch die Jagd nach der großen Liebe. Gekrönt mit dem eigenen Nachwuchs. Dieser sich in Grenzen haltende Anspruch mit seiner überschaubaren Komplexität macht den Reiz dieser Spiele aus. Der Kopf darf abschalten und ihr virtuell einfach ein bisschen vor euch hinleben.

Mit My Time at Sandrock ist nun der Nachfolger von My Time at Portia da. Zumindest in Form einer Early Access-Version, denn das Spiel befindet sich noch in der Entwicklung. Ursprünglich hatten die Entwickler DLC-Pläne für Portia. Diese wurden letztlich über Bord geworfen, zugunsten eines neuen Spiels. Eine gute Idee? Unbedingt!

Die Neuerungen in My Time at Sandrock sind bisher überschaubar und wer den Vorgänger gespielt hat, wird schnell ein vertrautes Gefühl haben. Es wäre also durchaus denkbar gewesen, Sandrock in Form eines DLCs zu bringen, so wie es die Entwickler einst planten. Doch wenngleich zumindest derzeit das Rad von My Time at Sandrock nicht neu erfunden wird, ist der Nachfolger gerechtfertigt. Das Spiel hat schon jetzt einen Umfang, mit dem einige Dutzend Stunden gefüllt werden können.

Spielerisch erinnern die sehr stark an den Vorgänger. Ihr beginnt in My Time at Sandrock bescheiden. Euer neues Leben startet in einer alten Werkstatt. Bodenständig und kaum der Rede wert – aber der Grundstein für eure Handwerkskarriere. Farmarbeit spielt in Sandrock eine eher untergeordnete Rolle. Ihr sammelt Rohstoffe und verarbeitet diese mit Maschinen weiter. Dabei erkundet ihr die Spielwelt und alte Ruinen, denn das Setting ist ein postapokalyptisches. Trotz dieser Tatsache ist das Spiel farbenfroh und ein Feel Good-Spiel. Die Spuren vergangener Zeiten findet ihr in Ruinen in Form von Relikten. Wie auch in Portia spaltet die Vergangenheit und der Umgang damit die Menschen in Sandrock. Einige sind Technologie der alten Welt gegenüber skeptisch und vertrauen lieber auf die Natur. Andere sind begierig darauf, mehr über die Vergangenheit zu erfahren und aus verloren geglaubtem Wissen etwas zu erschaffen.

Sandrock selbst unterscheidet sich deutlich von Portia. Während Portia direkt am Wasser liegt und eine lebendige Umgebung bietet, ist Sandrock eher karg. Wasser ist Mangelware und auch Bestandteil des Gameplays. Die wüstenhafte Landschaft ist ausgedörrt und wird gelegentlich von Sandstürmen heimgesucht. Wasserquellen gibt es kaum. Quell des Lebens in Sandrock ist die Oase am Rande von Sandrock, aus der Bewohner selbst kein Wasser schöpfen dürfen. Ihr könnt es kaufen oder von den wenigen Pflanzen Tau sammeln. Mit besserem Werkzeug lassen sich auch die wenigen Bäume fällen. Beliebt macht ihr euch damit allerdings nicht, solltet ihr erwischt werden. Damit eure Maschinen arbeiten, ist Wasser nötig. Die müsst ihr von Zeit zu Zeit zudem abstauben, damit sie weiter effektiv arbeiten können. Die rauere Umgebung der Spielwelt hat also direkten Einfluss auf das Gameplay. Dies sind recht kleine Änderungen und sie sind nicht wirklich komplex, verleihen der Sache aber frischen Wind.

Da My Time at Sandrock derzeit Early Access ist, lässt sich nicht einschätzen, wie sehr es sich letztlich von My Time at Portia unterscheiden wird. Derzeit ist es bis auf kleine Neuerungen sehr nah am Vorgänger. Das erste umfangreiche Update ist für Anfang August 2022 geplant, ein weiteres für Mitte Oktober 2022. Mit den kommenden Updates werden auch viele Funktionen erst den Weg ins Spiel finden.

Lohnt sich der Blick trotzdem schon jetzt? Wenn ihr den Vorgänger gut findet, werdet ihr auch hier wahrscheinlich schon jetzt Freude haben. Der Umfang ist zwar noch etwas abgespeckt, bietet aber schon jetzt viel Gelegenheit, Zeit im Spiel zu versenken. Ich habe die Hauptstory und alles an Nebenmissionen was ich aufspüren konnte durchgespielt und hatte dabei meine Freude. Grobe Fehler hielten sich dabei in Grenzen. Ein Spielabsturz ist in all meinen Spielstunden verschmerzbar gewesen. Aufträge sind leider manchmal noch fehlerhaft und bleiben hängen, da die aber keine Story bieten, ist dies zu verkraften. Die Fehlschläge kosten etwas Ruf, sind aber keine große Sache, da der Bug nur bei manchen Aufträgen auftritt. Die Aufträge sind quasi stetig zur Verfügung stehende Aufgaben, für die ihr Material beschaffen und innerhalb einer zeitlichen Frist abliefern müsst. Meist erst, nachdem dieses weiter verarbeitet oder auch zu einer Maschine verbaut wurde. Während Aufträge zeitlich innerhalb von wenigen Ingame-Tagen zu erledigen sind, gibt es diese Zeitkomponente im Rahmen der Hauptmissionen fast überhaupt nicht. Ihr könnt gemütlich spielen.

Die Übersetzungen sind derzeit noch lückenhaft. Vieles ist bereits lokalisiert, vereinzelt aber sind Zeilen oder Bezeichnungen in englischer Sprache. Seltener sind sogar chinesische (?) Zeichen zu sehen. Auch dies kein Drama, da der Großteil in deutscher Sprache verfügbar ist und das Spiel auch bei den derzeit noch fehlenden Übersetzungen verständlich ist.

Der Content fällt in My Time at Sandrock noch recht unterschiedlich aus, was auch aus dem Spiel hervorgeht. Einige Charaktere sind schon jetzt recht umfangreich gestaltet, bei anderen fehlt aktuell noch der Content. Der Arzt Fang mit seinem sprechenden Vogel X etwa ist noch ein wenig blass. Er besitzt nur ausgesprochen wenige Dialogzeilen und spielt in Missionen kaum eine Rolle. Im Spiel selbst steht auch bei den Charakteren ein entsprechender Hinweis, auf derzeit noch wenig Content. Es ist kein fertiges Spiel und sollte daher auch als das betrachtet werden, was es ist: Early Access. My Time at Sandrock ist schon jetzt gut spielbar, bietet einiges und macht auch jede Menge Spaß. Dass das Ganze trotz allem eine Baustelle ist, macht sich dennoch bemerkbar. Für ein Early Access-Spiel läuft es sauber und bietet reichlich Content. Wenn ihr kein Problem mit der unfertigen Version habt, könnt ihr hier nicht viel falsch machen.

Fazit:

Mit My Time at Sandrock ist endlich die ersehnte Fortsetzung von My Time at Portia da. Ursprünglich als DLC für Portia angekündigt, haben die Entwickler schließlich die Pläne über Bord geworfen und sich für ein neues Spiel entschieden. Da sich – zumindest aktuell – die Neuerungen in Grenzen halten, fühlte sich My Time at Sandrock sofort vertraut an. Auf eine positive Art.

Early Access hin oder her, das Spiel läuft schon jetzt solide, hat einiges an Content und bietet die gewohnte My Time at-Spielerfahrung. Den unfertigen Zustand spürt ihr, jedoch nicht auf eine unangenehme Art und Weise. Es gibt Early Access-Spiele, die nur schwer zu genießen sind, da sie voll mit Bugs, technischen Problemen und arm an Content sind. Hier bekommt ihr bereits jetzt mehrere Dutzend Stunden geboten, gefüllt mit Missionen und Aufträgen. Es fehlen noch Mechaniken, manche Charaktere sind kaum ausgearbeitet und die Anzahl an Events ist überschaubar. Was geboten wird, ist aber keineswegs wenig. Manches Harvest Moon ist weniger komplex, obwohl fertig. Technisch läuft es okay, aber mit Abstrichen. Vor allem die Feuchtigkeitsfarm sorgt bei mir für Einbrüche in der Framerate. Auch die Videos laufen nicht immer sauber und manchmal werden Texturen nicht richtig geladen. Diese Abstriche sind aber zu verkraften. Die noch nicht immer rund laufende Performance fällt hier zudem aufgrund der Art des Spiels nicht so sehr ins Gewicht.

Hattet ihr bereits Freude am Vorgänger, dürftet ihr schon jetzt Spaß mit My Time at Sandrock haben. Wartet ihr lieber auf den Full Release, könnt ihr guter Dinge sein. Hier kündigt sich ein gelungener Nachfolger an.

Bildquelle: eigene Screenshots aus dem Spiel My Time at Sandrock

Offenlegung: Das Spiel wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

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Siehe auch

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