Forza Horizon

… zwanglosem Spaß und schönen Erinnerungen – Forza Horizon

Für gewöhnlich installiere ich Spiele direkt dann, wenn ich sie bekomme. So muss ich mich nicht mit Warten aufhalten. Eine alte Gewohnheit aus vergangenen Zeiten. Bevor uns der Breitbandausbau eine 250 Mbit Leitung bescherte, mussten wir mit einer Rückfalloption vorliebnehmen. Downloads dauerten da schon mal mehr als 24 Stunden. Manchmal bleibt dann aber doch ein Spiel unberührt liegen und muss warten, bis ich es spielen möchte. So geschehen mit Need for Speed Heat. Doch wie vertreibt man sich die Wartezeit, wenn man eh schon bereit für etwas Action auf dem Sofa platzgenommen hat? Ich nutze derlei Situationen gern und werfe einen Blick in die Bibliothek der Konsole. Dieses Mal fiel mein Auge dabei auf Forza Horizon.

Nein, nicht Forza Horizon 4, welches ich seit Release mehr oder weniger aktiv spiele. Auch nicht Forza Horizon 3 oder 2 – ich meine tatsächlich Forza Horizon. So ganz ohne Zusatz. Das Spiel habe ich seit wer weiß wie vielen Jahren nicht mehr angerührt. Zuletzt vermutlich auf der Xbox 360, irgendwann kurz nach Launch. Am 23. Oktober 2012 ist das Rennspiel erschienen – vor mehr als 7 Jahren also. Meine Tochter, die heute die weiterführende Schule besucht, ging damals noch in den Kindergarten und ihr Bruder – der heute ein großer Bruder ist – war ein winziges Baby, kaum ein paar Monate alt.

Doch was gibt es schon zu verlieren, wenn nur ein paar Minuten Installationszeit zu überbrücken sind? Zumindest meiner Meinung nach nicht viel, also startete ich Forza Horizon, um einen Blick auf die Anfänge meiner Lieblingsrennspielserie zu werfen. Tatsächlich hat mich der positiv überrascht und aus ein paar Minuten wurden Stunden. Das Alter merkt man dem Spiel freilich an, doch es ist gut gealtert.

Ich hatte nicht nur viel Spaß mit Forza Horizon, sondern konnte auch einen Blick zurück in die Vergangenheit werfen. Damals war definitiv nicht alles schlecht. Spiele sind heute oft sogenannte Games as a Service-Spiele. Sie bekommen noch lange nach Launch neue Inhalte – nicht nur in Form von umfangreichen DLCs. Forza Horizon 4 ist ein Paradebeispiel für Games as a Service. Ein Trend, den ich zwar auf der einen Seite begrüße, aber auf der anderen mit einer gewissen Skepsis betrachte. Eines nämlich wird solchen Spielen nicht mehr zugestanden: ein Ende.

Forza Horizon 4 ist inzwischen mehr als ein Jahr alt, doch neue Inhalte kommen wöchentlich. Inzwischen meist nur noch ein Fahrzeug – doch dazu gesellt sich die Spielliste. Spieler, die gern alles abschließen, haben vielleicht den Drang, diese wöchentlich zu erledigen. Wer nicht regelmäßig ins Spiel schaut, bleibt auf der Strecke. Perfektionisten müssen zwangsläufig wahnsinnig viel Zeit investieren und am Ball bleiben. Natürlich kann man sich die Fahrzeuge auch im Auktionshaus holen. Das Geld dafür erfährt sich aber auch nicht von allein und das Angebot ist bei einigen Fahrzeugen sehr dünn.

Als Mutter habe ich mich schon vor Jahren von meinem Perfektionismus verabschiedet. Spielen gestatte ich es nicht, mich zu stressen, da ich die Ansicht vertrete, sie sollen mir Spaß machen. Zeitlich begrenzte Inhalte nehme ich daher grundsätzlich nicht mit, wenn mir nicht auch der Sinn danach steht. Egal ob es sich dabei um so etwas wie die Spielliste in Horizon 4 handelt oder ein Halloween in welchem Spiel auch immer. Auch jetzt zu Weihnachten werden wieder bergeweise Events in Spielen die Gamer locken. Hier ein exklusiver Skin, da ein Pet, dort eine besondere Waffe. Klar, warum auch nicht.

Forza Horizon

Forza Horizon habe ich tatsächlich am Wochenende ein weiteres Mal gestartet, weil es mir so verdammt viel Spaß macht. Für heutige Verhältnisse wirkt es inhaltlich zwar fast schon schmal, aber damit habe ich überhaupt kein Problem. Ich habe von vorn angefangen, weil mein alter Spielstand offenbar nicht in der Cloud liegt und tatsächlich schon einen beachtlichen Teil erledigt. Heute würde man dem Spiel dies wohl als zu wenig Content ankreiden. Damals – als das Spiel neu war – kam mir der Umfang schier riesig vor. Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich Markt und Zeitgeist gewandelt haben.

Vermutlich werde ich nur ein paar Tage bis Wochen mit Forza Horizon Zeit verbringen, da ich dann alles erledigt habe und ich ohnehin auf einem Berg aktueller Spiele sitze. Die Zeit aber werde ich genießen. Forza Horizon hat ganz altmodisch ein Ende. Irgendwann ist alles im Spiel erledigt. Das Ende ist hier zwar klar in Sicht, doch diese Tatsache stört mich so überhaupt nicht. In Zeiten, in denen es gern immer größer und mehr sein soll, tut so ein vergleichsweises kleines Spiel richtig gut. Es ist völlig okay, wenn für ein Spiel einfach nichts kommt und man sich nach Abschluss  direkt einem anderen zuwenden kann, ohne das Gefühl vermittelt zu bekommen, etwas an anderer Stelle zu verpassen.

Ich selbst habe noch nie Wert auf Umfangsgiganten gelegt, obwohl ich viele davon mag. Für mich ist es auch völlig okay, wenn nach wenigen Stunden der Abspann über den Bildschirm läuft. Hauptsache ich hatte Spaß. Spaß definiert sich nicht über die Menge an Zeit, die mich ein Spiel kostet.

Natürlich ist Forza Horizon ein bisschen ungewohnt nach all den Jahren und drei Ableger später. Selbst Büsche und Laternen lassen sich nicht zerstören, Kombos gehen eher in die Tausende und nicht in die Million, die KI ist manchmal echt unmöglich und das Spiel fährt sich deutlich arcadiger als jüngere Serienableger. Auch die damals schon offene Spielwelt schränkt mich viel mehr ein, sie ist viel überschaubarer und nicht so vollgestopft. Doch schon in Forza Horizon verbergen sich schöne Flecken, großartige Aussichten und wunderbare Szenerien. Wenn mich Forza Horizon eines geleert hat, dann ist es mehr Beachtung für meine Spielesammlung. Ich sollte mir mehr Zeit für alte Perlen nehmen, auch wenn es manchmal schwerfällt, nach dem Fortschritt ein paar Schritte zurück zu gehen. Es kann sich so richtig lohnen.

Mein Vorhaben in Forza Horizon 4 für einen Erfolg eine Series lang alle Spiellisteninhalte zu absolvieren habe ich jedenfalls über Bord geworfen. Weg mit Korsett und Zwang, irgendwas für einen Erfolg und ein paar virtuelle Gegenstände zu erledigen. Von den „nur“ 603 Autos in meinem Fuhrpark rühre ich eh fast nichts an. Ich genieße den Weekly #Forzathon und einen Teil der Spielliste, aber wozu der Erfolg? Wenn ich nicht gerade Need for Speed Heat zocke oder die Freiheit in Red Dead Online genieße, erkunde ich in Forza Horizon Colorado. Für Horizon habe ich nun sogar schon zwei Mal meine Daily-Reihe in Red Dead Online reißen lassen. Davor hab ich die 28 Tage durchgezogen. Wenn mir für die im Dezember kommenden Inhalte wirklich noch Gold fehlen sollte – wovon nicht auszugehen ist – nehme ich lieber zehn Euro in die Hand und kaufe mich von Zwängen frei. Bis dahin genieße ich zwanglos Colorado und schwelge in Erinnerungen.

Bildquelle: Eigene Screenshots aus dem  Spiel Forza Horizon

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