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Marvel’s Spider-Man

Marvel’s Spider-Man Review

Entwickler:         Insomniac Games
Publisher:          Sony
Genre:              Action, Open World
Plattformen:        PlayStation 4
Preis:              ca. 59,99 Euro
Offizielle Website: https://insomniac.games/game/spider-man-ps4/

Die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft

Dank der Batman Arkham-Reihe sind Videospiele mit Superhelden endlich wieder salonfähig. Leider hat sich das Angebot seitdem kaum gebessert. Vor allem im AAA-Bereich sieht es in Sachen Superhelden noch immer ziemlich mager aus. Schon seit Jahren frage ich mich, warum sich daran nicht endlich etwas ändert. Marvel feiert mit dem MCU seit Jahren Erfolge. Die Zielgruppen überschneiden sich nicht selten. In vielen Gamingstores wird schon lange auch Marvel und DC Merchandise verkauft. Woran auch immer es liegen mag, dass nach Batman nicht mehr viel passiert ist – nun ist Marvel’s Spider-Man da und wird von den Spielern gefeiert. Zurecht? Dieser Frage bin ich nachgegangen und habe für mein Review viele Abende mit der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft verbracht.

Nach der tollen gamscom-Demo rechnete ich damit, dass das Spiel zu einer Liebe auf den ersten Blick wurde. Tatsächlich haben die Spinne und ich dann aber doch etwas mehr Zeit benötigt, um so richtig miteinander Freundschaft zu schließen. Dies liegt vor allem an meinem Spielverhalten. Seit Morrowind bin ich ein Fan von großen und offenen Spielwelten. Ein Bereich, in dem Spider-Man punktet. Schon nach wenigen Spielminuten steht euch das virtuelle Abbild von New York zur Verfügung. Außer Rucksäcken und Türmen gibt es dort zunächst aber nicht viel. Nebenmissionen, das Fotografieren von berühmten Orten, zufällige Ereignisse, Forschungsprojekte und andere Aktivitäten schalten sich erst nach und nach frei, wenn ihr die Story vorantreibt. Ich selbst neige dazu, die Story bisweilen Dutzende Stunden gänzlich zu ignorieren. Im Fall von Spider-Man erwies sich diese Angewohnheit allerdings als unglücklich. Daher an dieser Stelle ein gut gemeinter Rat von mir: Wenn ihr Spider-Man zockt, solltet ihr immer Mal der Haupthandlung Beachtung schenken, um neue Möglichkeiten zu eröffnen. Erst dann entfaltet sich das Potenzial des Spiels und das der Spielwelt.

Davon hat Marvel’s Spider-Man reichlich. Eines meiner Highlights ist nach wie vor die freie Fortbewegung durch New York. Spider-Man steuert sich denkbar einfach und macht dabei trotzdem eine verdammt gute Figur. Obwohl ich inzwischen zig Stunden mit dem Spiel verbracht habe, schwinge ich nach wie vor manchmal einfach nur ziellos umher. New York sieht auf der PlayStation 4 Pro toll aus. Vor allem dann, wenn die Sonne untergeht. Ich liebe dieses abendliche Feeling und das Freiheitsgefühl. Untermauert wird dieses von einem gelungen Theme – komponiert von John Paesano. Das Musikstück könnte auch aus dem MCU kommen und ich höre es immer noch sehr gern.

MCU (Marvel Cinematic Universe) ist ein gutes Stichwort. Das Spiel ist kein Teil davon und basiert auch nicht auf Spider-Man: Homecoming. Dennoch dürftet ihr euch im Spiel auch dann pudelwohlfühlen, wenn ihr erst durch das MCU zum Superhelden-Fan geworden seid. Ihr findet im Spiel zahlreiche bekannte Orte wie den Avengers Tower und Alias Investigations. Es lohnt sich, mit offenen Augen durch das virtuelle New York zu schwingen. Neben berühmten Marvel Orten findet ihr auch Spots wie das Empire State Building. An dieser Stelle möchte ich aber gar nicht mehr verraten, da ihr euch über so manchen Ort und so manche Begegnung im Spiel freuen werdet, wenn ihr es spielen solltet. Diese Überraschungen möchte ich euch nicht rauben, damit sie euch ebenso begeistern können, wie mich.

Auch in Sachen Bossen hat Insomniac Games alle Register gezogen. Die Auswahl ist mit Gegnern wie dem Kingpin, Doctor Octopus und Rhino nicht von schlechten Eltern. Natürlich wird es Fans geben, die ihre Favoriten vermissen werden. Geschmäcker sind einfach zu verschieden und die Auswahl potenzieller Gegner zu groß, um es allen recht zu machen. Ich für meinen Teil bin mit der Wahl der Entwickler mehr als nur zufrieden und denke, sie haben dabei ein gutes Händchen bewiesen.

Marvel's Spider-Man Screenshot

Kinoreife Inszenierung

Die Bosskämpfe gehören zweifelsohne mit zu den Höhepunkten des Spiels. Sie sind wunderbar inszeniert und vermitteln das Gefühl, wahrlich ein Superheld zu sein. Ich bin kein großer Fan von Quick-Time-Events – bei Marvel’s Spider-Man empfinde ich sie allerdings als passend. Teile der Bosskämpfe setzen auf QTEs, was wohl zugunsten der kinoreifen Inszenierung entsprechend gelöst ist. Tatsächlich wirkt es einfach nur episch, wenn Spider-Man einen abstürzenden Hubschrauber aufhält und dabei einen lässigen Spruch über die Lippen bringt. Das kurze Quick-Time-Event nur Augenblicke zuvor wird da schnell zur Nebensache.

In Sachen Humor verdient das Spiel ebenfalls einen Pluspunkt. Spider-Man hat fast immer einen lustigen Spruch auf Lager. Das Spiel fängt den beliebten Mix aus Action und Humor gut ein, der für das MCU bezeichnend ist. Egal ob ihr im Spiel einen Rucksack auflest oder gerade ein paar Bösewichte einspinnt – fast alles wird humorvoll kommentiert. Selbst die Schnellreise begeistert. Zum Beispiel, wenn die Spinne in voller Montur in der U-Bahn auf sein Smartphone blickt und dabei skeptisch in Augenschein genommen wird.

Dennoch kann das Spiel auch ernstere Töne bieten. Hinter Spider-Man steckt Peter Parker, der trotz seiner Identität als Superheld mit alltäglichen Problemen konfrontiert wird. Da ist zum Beispiel Mary Jane Watson, der ihr schon früh im Verlauf der Story begegnen werdet. Mary Jane kennen viele als die Freundin von Peter Parker. Im Spiel sind die beiden getrennt. Dennoch laufen sie sich immer wieder über den Weg und Peter liegt viel an ihr. Gibt es eine gemeinsame Zukunft für Peter und Mary? So viele gute Dinge Peter auch als Spider-Man tut – seinen Lebensunterhalt muss er dennoch bestreiten und wird dabei mit Schwierigkeiten wie einem leeren Geldbeutel und Jobsorgen konfrontiert. Erfreulicherweise räumen die Entwickler Peter Parker sehr viel Zeit ein.

So turbulent das Leben von Peter Parker auch bisweilen ist – noch turbulenter ist seine Zeit im Anzug. Spider-Man ist ein relativ schneller Superheld. Etwas, das die Entwickler gut einfangen konnten und darstellen. Egal ob ihr durch New York schwingt oder es in einem Kampf zur Sache geht – das Spiel ist oft sehr rasant. Die Kämpfe sind schnell und überraschend anspruchsvoll. Ich habe meinen ersten Spieldurchgang mit normalem Schwierigkeitsgrad angefangen. Einfach nur ein paar Netze verschießen und draufschlagen ist nicht drin. Ausweichen ist wichtig und sollte nicht unterschätzt werden. Ohne werdet ihr spätestens in den Bosskämpfen ins Gras beißen. Selbst die normalen Kämpfe sind ohne geschickte Ausweichmanöver kaum bis gar nicht zu meistern. Schon Gruppen aus einfachen Gegnern teilen ganz schön aus. Vor allem jene, die mit Raketenwerfen oder Snipergewehren bewaffnet sind. So ein Superheldendasein ist eben kein Pappenstiel.

Im Spielverlauf schaltet ihr fleißig Geräte frei, mit denen ihr neue Möglichkeiten erhaltet. Außerdem könnt ihr Anzüge sammeln, neue Anzugkräfte freischalten und Moves lernen. Doch nicht nur Spider-Man entwickelt sich. Während ihr es in den ersten Spielstunden noch mit relativ simplen Gegnern zu tun habt, kommen im späteren Spielverlauf auch Feinde mit Schilden, Peitschen und anderen fiesen Spielereien dazu. Ihr solltet euch also mit den vielen Gadgets und Moves auseinandersetzen, die das Spiel zu bieten hat. Die Kämpfe machen meiner Meinung nach ohnehin mehr Spaß, wenn ihr die breite Vielfalt eurer Möglichkeiten nutzt und nicht nur auf einfache Angriffe und Ausweichen fixiert spielt.

Durch den geschickten Einsatz von Gadgets und Anzugkräften könnt ihr gleich eine ganze Gruppe von Gegnern ausschalten oder zumindest ärgern. Schlagt ihr Gegner gegen Wände oder auf den Boden, lassen sich die einspinnen. Eure Fokusleiste hat gleich zwei Funktionen: Heilung und Spezialangriffe. Stellt ihr euch im Kampf geschickt an, werdet ihr mit wenig Heilung auskommen und könnt mit cool inszenierten Spezial-Moves selbst härtere Gegner per Knopfdruck ausschalten. Bevor ihr euch ins Getümmel einer Schlacht stürzt, könnt ihr nicht selten zunächst via Stealth die Gegnerreihen ausdünnen. Isolierte Feinde lassen sich aus der Ferne ausschalten.

Nach anfänglichen Zweifeln, aufgrund meiner Spielweise, bin ich schnell mit Marvel’s Spider-Man warm geworden. Damit nicht genug – ich möchte mehr davon. Glücklicherweise gibt es tatsächlich schon bald mehr. Noch in diesem Jahr sollen bereits angekündigte DLCs erscheinen. Ihr könnt von Erweiterungen halten, was ihr möchtet – ich werde sie spielen. Dieses Spiel hat mir so viel Freude gebracht und mich über anderthalb Wochen fast jeden Abend stundenlang unterhalten. Genau so funktioniert ein gutes Superheldenspiel. Sicher, hier und dort hat es seine Ecken und Kanten. Inscomniac Games gelingt es allerdings, eine tolle Atmosphäre zu zeichnen. Das Spiel beherrscht actionreiche Szenen genauso wie deutlich ruhigere und nachdenkliche Momente. Es bietet eine Reihe von Anspielungen, die jedes Fanherz höherschlagen lassen und punktet mit reichlich Humor. All dies wird mit vielen sehr liebevollen Details garniert und von einem passenden Soundtrack untermalt.

Doch was gibt es nun eigentlich am Spiel zu meckern? Die paar Kleinigkeiten, die sich finden lassen, sind Gemecker auf hohem Niveau. Sehr selten bin ich beim Schwingen durch New York an ungünstigen Stellen hängen geblieben. Dies passiert leicht, wenn ihr unter Orten die Terassen gleichen landet. Außerdem sind die Reflexionen in den großen Glasfronten der Häuser zwar sehr schick, aber manchmal nicht realistisch. Solche Details fallen allerdings nur dann auf, wenn ihr überhaupt nach ihnen sucht. Mein größter Kritikpunkt ist die offene Spielwelt. Die kann erst nach einigen Storymissionen überzeugen. Hier hätten die Entwickler dem Spieler ruhig schon früher im Spiel ein paar mehr Möglichkeiten zugestehen können. Jemand der wie ich sehr gern die Story zunächst ignoriert und einfach nur die Welt erkundet, wird darain zu Anfang nur wenig finden. Einerseits ist das stückweise Freischalten neuer Aktivitäten gut in die Story implementiert. Andererseits vermittelt dieses Vorgehen in den ersten Stunden das Gefühl, die Welt sei nicht lebendig genug und hat nicht viel zu bieten. Ein Trugschluss!

Marvel's Spider-Man Screenshot

Mein Fazit:

Endlich wieder ein gescheites Spiel, bei dem ich zu einem Superhelden werden kann. Darauf habe ich Jahre gewartet und es hat sich gelohnt. Ich bin nicht Mal der allergrößte Fan von Marvel. Dennoch rockt dieses Spiel. Für mich schon jetzt eines der besten Spiele 2018. Egal, was womöglich noch kommen wird – Marvel’s Spider-Man hat schon jetzt einen Platz in der Liste mit meinen 2018er Lieblingsspielen sicher. Dem Spiel ist anzumerken, wie viel Aufwand dahinter steckt. Es ist nicht nur einfach ein actionlastiges Game, auf dessen Verpackung Spider-Man steht. Die Entwickler haben sich mit der Figur beschäftigt und ein glaubhaftes Werk geschaffen.

Der Titel ist nicht perfekt, aber für mich sehr nah dran. Eine tolle offene Spielwelt, die auch ohne jegliches Ziel begeistern kann. Das Schwingen als Spider-Man geht kinderleicht von der Hand und bietet ein angenehmes Spielgefühl. Trotz offener Spielwelt bleibt der Titel überschaubar. Statt Hunderten Stunden reichen etwa 40 für Platin und den Abschluss auf 100 Prozent. Ein toller Kompromiss zwischen kurzem linearen Spiel und gigantischer Open World mit Hunderten Stunden Content. Das schnelle Kampfsystem steht im krassen Gegensatz zu einigen deutlich ruhigeren und ernsten Momenten des Spiels. Der Humor verleiht dem ganzen einen MCU-Anstrich. Das Spiel punktet mit eben jener Formel, die schon beim MCU wunderbar funktioniert: viel Action, viel Humor. Die Zwischensequenzen sind kinoreif inszeniert. Der Soundtrack könnte genauso gut aus dem MCU kommen. Marvel’s Spider-Man punktet vor allem in Sachen Details und beim Zusammenspiel einzelner Elemente. Wer Spider-Man oder generell Marvel mag, kommt um dieses Spiel nicht herum. Alle anderen sollten ebenfalls einen Blick riskieren. Das Spiel hat das Zeug dazu, euch zum Fan zu machen. Vor allem dann, wenn ihr ein Herz für rasantes Gameplay habt.

Einen kleinen Haken hat das Spiel für mich allerdings doch. Ich hätte nun gern ein paar weitere coole Spiele mit Superhelden. Wo kann ich eine Wunschliste einreichen? Ich hätte gern genauso tolle Spiele mit Doctor Strange, Black Panther, Captain America, Thor …

Bildquelle: Insomniac Games

Offenlegung: Für dieses Review wurde mir das Spiel kostenlos zur Verfügung gestellt.

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